2006. Eine selbst gehäkelte Mütze. Ein paar Freunde, die auch eine wollten. Und absolut kein Plan, was daraus einmal werden würde.
Zwanzig Jahre später ist aus hä? HAE geworden. Die Mützen sind nicht mehr ganz so schlumpfig, die Produkte technisch ausgereifter und die Kollektionen durchdachter. Aus den Snowboardern von damals sind inzwischen Familienväter geworden. Vieles hat sich verändert. Aber gewisse Dinge sind erstaunlich gleich geblieben.
Zum 20. Geburtstag haben wir, Mat und Sebi, uns mit einem Bier hingesetzt und uns einfach mal gegenseitig interviewt. Vorher hat jeder für sich ein paar Fragen zusammengestellt, ohne zu wissen, was der andere fragen würde. Dann kamen die Fragen auf den Tisch.
Wir waren selber gespannt, ob wir uns an die letzten zwanzig Jahre eigentlich gleich erinnern. Schliesslich haben wir einiges zusammen erlebt. Und wie sich herausgestellt hat, sieht man manche Dinge auch als Brüder ziemlich unterschiedlich.
Es kamen jedenfalls einige alte Geschichten wieder zum Vorschein. Über die ersten selbst gehäkelten Mützen, ziemlich fragwürdige Produktideen, unsere Snowboardcrew und die Momente, in denen wir nicht wussten, ob es HAE im nächsten Winter überhaupt noch geben würde.
Und darüber, warum wir nach zwanzig Jahren immer noch verdammt gerne Beanies machen.
Die hä?-Mützen der ersten Jahre in allen möglichen Farben.
Mat, erinnerst du dich noch an die allererste HAE Mütze?
Mat: Nicht mehr an jedes Detail. Aber an diese riesigen, langen Mützen von damals erinnere ich mich schon. Meine erste handgehäkelte Mütze hatte zum Beispiel dieses speziell eingefärbte Garn mit den Camouflage-Mustern und ziemlich wilden Farbkombinationen.
Ursprünglich ging es ja einfach darum, überhaupt eine Mütze zu haben, die über meine Dreadlocks passte. Also habe ich mir selber eine gehäkelt. Danach wolltest du auch eine und dann andere Freunde auch noch...
Die ersten "richtigen" hä?-Produkte waren ziemlich einfach. Wir haben selber gehäkelt und genäht, Labels bedruckt und zugeschnitten und mit allen möglichen Sachen experimentiert.
Sebi: Ja, die Blachenlogos! (lacht) Da kam einfach Meterware bei uns an, kleine hä?-Logos auf einer Blache bedruckt und wir haben sie dann von Hand zugeschnitten und angenäht... Das waren noch Zeiten.
Mat: Absolut. Bis sich durch die Reibung irgendwann der ganze Druck abgelöst hat.
Dass wir zwanzig Jahre später immer noch Mützen machen würden? Nein. Daran habe ich wirklich keine Sekunde gedacht.
Einer vieler Crew-Movies aus den Anfängen von HAE. Zu Beginn sieht man Mat noch mit Dreads.
Wann haben wir zum ersten Mal gemerkt, dass HAE mehr als ein Projekt unter Freunden geworden ist?
Mat: Es gab mehrere solche Momente. Einer war sicher der erste Onlineshop, den ich damals selber programmiert habe.
Das war eine ganz einfache HTML-Seite mit ein paar Hyperlinks. Mit einem heutigen Onlineshop hatte das nicht viel zu tun. Irgendwann habe ich meine E-Mails kontrolliert. Früher hat man das so einmal pro Woche gemacht und nicht jede Stunde und plötzlich waren da tatsächlich Bestellungen. Aus Zürich!
Das war schon speziell. Wir hatten eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass jemand hä? überhaupt findet und über unsere Website etwas bestellen würde.
Irgendwann wurden es so viele Bestellungen, dass ich mit der Produktion kaum mehr hinterherkam. Ich machte ja damals noch meine Matura. Einmal hatte ich an einem Abend noch dreissig oder vierzig Stirnbänder offen, die ich alle selber häkeln musste.
Unsere Mutter hat das gesehen und gemeint, so gehe das nicht mehr weiter. Also hat sie angefangen mitzuhelfen.
Sebi: Ich erinnere mich besonders an meine Studienzeit. Wir haben den ersten Schritt nach Europa gewagt. Direkt aus der Schweiz heraus zu versenden mit Zoll, Versandkosten usw. war das alles zu kompliziert und führte das Jahr zuvor zu vielen Problemen. Also haben wir es einfach mal wieder pragmatisch gedacht. Soll heissen, wir haben uns ein Zimmer in Weil am Rhein gemietet und ein paar Produkte dort parkiert.
Ich bin dann neben der Uni zweimal pro Woche mit dem Zug nach Deutschland gefahren, habe unterwegs gelernt oder gearbeitet und drüben die Pakete verschickt. Danach gings wieder mit dem Zug zurück nach Bern.
Das war schon ein ziemlicher Aufwand. Du sitzt an der Uni, studierst Betriebswirtschaft und fährst am Nachmittag nach Deutschland, um Mützen zu verschicken und nebenbei hatten wir noch unsere Film- und Photoprojekte beim Snowboarden, wollten möglichst viel in den Bergen sein.
Aber irgendwie hat es funktioniert. Und irgendwann war klar, dass aus unserem Hobby langsam etwas Grösseres werden könnte. Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo wir uns in die Augen geschaut haben und gesagt haben, komm wir versuchen es, wir möchten davon Leben.
HAE ist sicher etwas gewachsen, aber etwas hat sich nie verändert: HAE besteht immer noch aus einer Gruppe von Freunden, die gemeinsam die Leidenschaft für die Berge teilt.
Was war rückblickend eure dümmste Idee?
Mat: Die Baywatch-Badehosen! (lacht)
Sebi: Oh ja. Die waren schon ziemlich speziell.
Mat: Wir dachten damals: Wenn wir im Winter Mützen verkaufen können, können wir im Sommer genauso gut Badehosen und Tanktops verkaufen.
Wir hatten diese Badehosen im Baywatch-Stil und waren überzeugt, dass die durch die Decke gehen würden.
Sind sie nicht.
Sebi: Wir haben es ein paar Sommer lang probiert. Aber irgendwann mussten wir feststellen, dass ein funktionierendes Wintergeschäft nicht automatisch ein funktionierendes Sommergeschäft bedeutet. Die Shops hatten kein Budget für unsere Hosen, Shirt und Tanktops übrig und meinten, wir sollten doch bei dem bleiben, was wir können. Irgendwann habens wir dann eingesehen (lacht).
Ich finde aber nicht, dass das dumm war. Wir haben vieles einfach ausprobiert. Manches funktionierte, anderes überhaupt nicht. Aber man muss immer wieder neue Sachen probieren. Heutzutage durchdenken wir es einfach etwas mehr und machen nicht nur noch einfach.
Mitschgi mit Mitch Buchannon am posieren für die Baywatch Badehosen.
Was hat Snowboarden mit der Entstehung von HAE zu tun?
Sebi: Eigentlich alles. Wir sind mit Snowboarden aufgewachsen. Wir waren ständig unterwegs, haben neue Spots gesucht, Backcountry-Kicker gebaut und stundenlang geschaufelt, bevor wir überhaupt zum Fahren kamen.
Du lernst, das Gelände zu lesen, Möglichkeiten zu erkennen und Dinge auszuprobieren. Und natürlich fällst du immer wieder auf die Schnauze, verletzt dich und machst das Beste daraus.
Dann stehst du auf, schaust, was nicht funktioniert hat, und probierst es nochmals.
Ich glaube, diese Einstellung war bei uns schon als Kinder ziemlich ausgeprägt. Unsere Eltern haben uns immer dazu ermutigt. Und bei HAE haben wir eigentlich genau das Gleiche gemacht. Wir sind oft genug auf die Schnauze gefallen. Aber irgendwie haben wir immer einen Weg gefunden, weiterzumachen.
Mat: Snowboarden hat uns auch gelehrt, Dinge selber in die Hand zu nehmen. Wir haben unsere Trips organisiert, sind an Contests gefahren, haben Spots gebaut und zusammen mit Freunden Film- und Photoprojekte umgesetzt.
Dieses Unabhängige und Kreative hat HAE sicher stark geprägt.
Sebi: Und ohne unsere Freunde und die Snowboardszene wäre HAE definitiv nicht dort, wo wir heute sind.
Mat: Hundertprozentig. Wir waren in der Szene gut vernetzt. Viele Leute kannten wir persönlich, andere über gemeinsame Freunde. So kamen unsere Mützen ziemlich schnell herum. Auch in Snowboardmagazinen waren sie immer wieder zu sehen.
Das war damals enorm wichtig.
Das Cover links mit grossem "hä?" auf dem Neckwarmer oder Berichte wie rechts haben HAE bekannter gemacht.
Sebi: Ich meine, Heikki Sorsa, Frederik Kalbermatten oder Nicolas Müller sind mit unseren Sachen gefahren. Das sind riesige Namen in der Snowboardszene, allesamt unsere Idole.
Dass solche Leute unsere Mützen getragen haben, war schon ziemlich unglaublich. Und das ist eigentlich nur passiert, weil wir über Freunde und Freunde von Freunden miteinander verbunden waren.
Ohne diese Leute hätte HAE nie dieselbe Aufmerksamkeit bekommen. Wir hatten ja keine Investoren im Rücken, haben mit 50 CHF angefangen und alles wieder reingesteckt.
Drei ganz wichtige Wegbegleiter: Silvano, Levi und Seili haben uns über Jahre hinweg mega viel geholfen. Sei es beim Visuellen, bei Produktideen oder einfach die Dinger richtig zu testen.
Mat: Genau. Das war keine ausgeklügelte Marketingstrategie. Wir hatten einfach gute Freunde und waren selber Teil dieser Szene. Sozusagen Influenzer-Marketing, bevor es das eigentlich überhaupt gegeben hat.
Und das ist bis heute wichtig. Viele unserer Teamrider sind gute Freunde. Sie bringen Ideen mit, testen unsere Produkte draussen und helfen uns, sie weiterzuentwickeln. Hier mal ein grosses Dankeschön an alle, die uns geholfen haben über die letzten 20 Jahre, insbesondere, Levi, Silvi und Seili, der leider bei einem Lawinenunglück tödlich verunglückt ist, aber unglaublich viel für uns gemacht hat.
Die zweite Webisode von hä? vor vielen, vielen Jahren. Wir waren wie so oft am Ende der Saison in Kalifornien im Park unterwegs.
Wenn ihr an die letzten 20 Jahre zurückdenkt: Welcher Tag mit der Crew ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Mat: Wir hatten so unglaublich viele gute Momente mit vielen tollen Menschen. Die Frühlinge in Kalifornien waren immer mega. 10-15 Leute zusammen im Park unterwegs und einfach snowboarden. Oder auch die Powdertage in Japan oder von wilden Hunden in der Türkei durch den Wald gejagt zu werden. Wir haben unglaublich viel erlebt.
Sebi: Ich kann auch nicht einen Tag herauspicken. Der Würfeltrip für das Snowboarder MBM war mega lustig mit Seili, Silvi und dir Mat. Die Story für das Magazin war, dass wir Kilometeranzahl und Himmelsrichtung würfeln und mit dem beschissensten Bus ever dorthin fahren und versuchen Photos für das Magazin zu machen. Der Bus hat Seili über K2 organisiert, optimistisch wie immer meinte er, dass der super ist für 10 Tage quer durch Europa zu fahren. Verschwiegen hat er, dass es der Promobus war und es im Bus eigentlich nur eine Bar gab. Zudem war das Gasventil kaputt und wir haben einfach ohne Heizung 10 Tage mit Nassen Boots uns quer durch die Alpen bewegt. Es war so ein geiler Trip. Oder auch viele Jahre später unser gemeinsamer Trip mit Ändu, Schüli, Tissi und Knicke nach Alaska. Das war auch richtig super, aber auch die Seasons in Les Crosets, die Banked Slaloms in Bellwald, die Powdertage im damals noch leeren Rothwald oder die Sommer in Saas-Fee waren so nice. Unmöglich eine Sache herauszupicken.
The Home Run in Bellwald war am Ende der Saison das Highlight für viele.
Gab es einen Moment, in dem du wirklich dachtest: Das wars mit HAE?
Mat: Ja. Als im März 2020 Corona ausbrach.
Wir waren mitten in der Planung und Produktion für den kommenden Winter. Und plötzlich wurden die Skigebiete geschlossen. Niemand wusste, ob die Geschäfte im Herbst wieder öffnen würden oder wie lange die Krise dauern würde.
Unsere Händler begannen kurz vor der Deadline Ende März, Vorbestellungen für den kommenden Winter zu stornieren. Innerhalb kürzester Zeit war unsere gesamte Planung hinfällig.
Das war wahrscheinlich der erste Moment, in dem ich wirklich nicht wusste, wie es mit HAE weitergehen sollte.
Sebi: Das ging wahnsinnig schnell. Du bist noch mit Kollegen auf dem Snowboard, und wenige Tage später steht plötzlich alles still. Ich wurde zudem eine Woche nach Lockdown zum ersten Mal Vater und gleichzeitig nicht zu wissen, was beruflich passiert, war sehr herausfordernd. Eine riesige Achterbahn der Gefühle.
Wir hatten eine komplette Winterkollektion geplant. Dann kamen die Stornierungen und wir mussten mit unserem Produzenten schauen, was überhaupt noch möglich war.
Zum Glück hat er die Maschinen trotz der viel kleineren Stückzahlen nochmals angeworfen. Er hatte selber mit vielen Stornierungen zu kämpfen. So konnten wir wenigstens eine kleine Kollektion produzieren.
Aber das hätte wirtschaftlich niemals gereicht, um ein weiteres Jahr zu überstehen und unsere Löhne zu bezahlen.
Dann kam uns die Idee mit den Covid-Neckwarmern.
Mat: Das war eigentlich wieder typisch für uns.
Sebi: Ja. (lacht) Wenn ich mich richtig erinnere kamen im Mai die Masken in den ÖV. Wir haben uns überlegt: Wenn im kommenden Winter Maskenpflicht herrscht, wäre es doch viel praktischer, einen Neckwarmer mit integrierter Filterfunktion zu haben.
Also haben wir angefangen, ein solches Produkt zu entwickeln.
Das war unglaublich aufwendig. Wir mussten geeignete Materialien finden, die Filterfunktion entwickeln und alles testen lassen. Wir haben mit fünf unabhängigen Laboren gearbeitet. Wir konnten aber die Produktion durch den Lockdown nicht selber besuchen und mussten alles aus der Ferne regeln.
Gleichzeitig war die internationale Logistik praktisch lahmgelegt. Es flogen kaum Flugzeuge und niemand wusste, wie sich die Situation entwickeln würde.
Wir sind mit dem Produkt ein ziemliches Risiko eingegangen.
Mat: Aber am Ende hat es funktioniert.
Ein Foto aus 2010, wo Mat den Fliess für die Neckwarmer hier in Visp lokal gekauft und sie selber genäht hat. Jetzt stellen wir die Halsschläuche in Europa her.
Sebi: Und wie! Zermatt hat unsere Neckwarmer dann aufgegriffen. An einem Medientermin hielt der Verantwortliche unseren Neckwarmer vor die Kameras und erklärte, dass man damit die Bergbahnen benutzen könne.
Plötzlich hatten wir unglaublich viele Besucher auf unserer Website und die Bestellungen gingen durch die Decke.
Diese Neckwarmer haben HAE damals praktisch gerettet.
Mat: Und das nur, weil wir wieder einmal eine Idee hatten und einfach angefangen haben, daran zu arbeiten.
Sebi: Ja. Wobei wir diesmal schon ziemlich froh waren, dass es funktioniert hat. (lacht)
Die Gründer von HAE Sebastian und Matthias Bumann 2014
Worüber haben wir uns in zwanzig Jahren am häufigsten gestritten?
Mat: Über Designs. Definitiv.
Sebi: Vor allem über Shirts.
Mat: Ja, da gibt es immer wieder Diskussionen. Einer findet ein Design super, der andere überhaupt nicht.
Sebi: Wobei wir eigentlich selten richtig streiten. Wir sind einfach in vielen Dingen komplett unterschiedlich.
Ich glaube, genau das ist eine unserer grössten Stärken. Wir respektieren die Meinung des anderen und hören einander zu. Es geht nicht darum, dass einer unbedingt seine Idee durchsetzen muss.
Mat: Sebi will bei vielen Sachen noch die letzten zwanzig Prozent herausholen. Ich finde manchmal schon viel früher, dass etwas gut ist.
Sebi: Ja, das stimmt. Mat würde oft viel schneller entscheiden und weitermachen.
Und ich komme dann wieder mit: «Hey, lass uns noch fünf Minuten daran arbeiten. Ich glaube, wir können das noch besser machen.»
Ich bin überzeugt, dass gerade diese letzten Details langfristig einen grossen Unterschied machen. Aber irgendwann muss man natürlich auch entscheiden. Und dann ist es gut, dass Mat manchmal einfach sagt: Jetzt ist fertig.
Mat: Sonst wären wir heute wahrscheinlich noch bei unserer ersten Kollektion. (lacht)
Sebi: Wahrscheinlich. Aber ich habe schon das Gefühl, dass unsere kreativen Ideen zusammen oft auf ein ganz anderes Niveau kommen.
Und bei Finanzen und Administration bin ich sowieso froh, dass Mat den Überblick hat.
Ich glaube, wenn es zwei Sebis oder zwei Mats gäbe, hätten wir HAE schon längst an die Wand gefahren.
Mat damals zusammen mit Silvano am freestyle.ch in Zürich. Wir hatten jeweils einen Stand mit kostenlosem Weisswein. Man kann sich gut vorstellen, wie das abging.
Unser Teamrider und damals noch Rookie Luca Schuler hat dann ganz unerwartet das freestyle.ch gewonnen und hat bei uns am Stand darauf fleissig Unterschriften verteilt.
Was hat sich in zwanzig Jahren komplett verändert und was ist gleich geblieben?
Sebi: Fast alles rundherum hat sich verändert. Damals haben wir einen einfachen Onlineshop programmiert, ein paar Sticker gedruckt und unsere Produkte über Freunde verkauft.
Heute ist E-Commerce ein riesiges, komplexes Geschäft. Auch unsere Produkte haben sich stark weiterentwickelt.
Früher haben wir vor allem produziert, was wir gerade cool fanden. Heute überlegen wir viel bewusster, was HAE ausmacht und ob ein Produkt langfristig zu unserer Marke passt.
Sonst würden wir wahrscheinlich immer noch Baywatch-Badehosen produzieren. (lacht)
Nicht der allererste Online Shop der Mat programmiert hat, aber sicher einer der ersten. Die handgehäkelten Stirnbänder haben sich betreffend Farbe geändert, werden aber nach wie vor hier bei uns im Wallis gehäkelt.
Mat: Das Rebranding vor ein paar Jahren war deshalb ein wichtiger Schritt. Wir haben begonnen, unsere Marke klarer zu positionieren und uns stärker auf das zu konzentrieren, was wir wirklich gut können.
Früher haben wir einfach gemacht, worauf wir gerade Lust hatten. Heute verfolgen wir eine klarere Linie. Aber wir wollen natürlich immer noch Neues ausprobieren. Das eine schliesst das andere nicht aus.
Sebi: Ein weiterer wichtiger Schritt war damals die Verlagerung eines Teils unserer Produktion von der Schweiz nach Europa.
Am Anfang haben wir fast alles selber gemacht. Später haben unsere Mutter, unsere Tanten und andere Leute mitgeholfen. Aber irgendwann wurde das einfach zu viel.
Der Grossteil unserer Produkte wird von Mateusz (rechts) und seiner Familie in Polen hergestellt. Wir besuchen sie jedes Jahr und schauen uns alles vor Ort an.
Als wir entschieden haben, dass wir von HAE leben möchten, mussten wir die Produktion professionalisieren.
In der Schweiz wäre es für uns wirtschaftlich kaum möglich gewesen, grössere Stückzahlen weiterhin komplett von Hand zu produzieren.
Mit der europäischen Produktion hatten wir plötzlich Zugang zu anderen Maschinen, Materialien und Möglichkeiten. Heute können wir technische Produkte entwickeln, die bei minus zwanzig Grad funktionieren, schnell trocknen oder bequem unter einen Helm passen.
Auch die Liebe zum Pulverschnee hat sich und wird sich wohl nie ändern. Sebi auf dem Gletscher in Saas-Fee.
Mat: Gleichzeitig machen wir weiterhin gewisse Sachen von Hand in unserer Werkstatt im Wallis. Das gehört einfach zu uns und nur den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen, wäre nichts für mich.
Und wir machen immer noch Produkte, die wir selber gerne tragen. Das hat sich in zwanzig Jahren nicht verändert.
Sebi: Genau. Wir sind über die Jahre professioneller geworden. Aber wir möchten weiterhin unabhängig bleiben, Dinge ausprobieren und Produkte entwickeln, hinter denen wir wirklich stehen.
Wir haben damals mit ungefähr fünfzig Franken angefangen. Alles, was wir verdient haben, ist wieder in HAE geflossen.
Mit Investoren hätten wir wahrscheinlich viel schneller wachsen können. Aber hätten wir dann noch genauso viel Freude daran gehabt? Ich glaube kaum.
Auf welche Momente der letzten zwanzig Jahre sind wir besonders stolz?
Sebi: Ich erinnere mich noch an die ersten Male, als ich irgendwo jemanden mit einer HAE - oder damals noch hä?-Mütze - gesehen habe, den ich überhaupt nicht kannte.
Das war ein unglaubliches Gefühl. Plötzlich läuft irgendwo jemand vor dir durch, den man nicht kennt und eine Mütze trägt, die wir selber gemacht haben.
Und das ist heute eigentlich noch genauso.
Wenn ich oben im Rothwald stehe, es hat frisch geschneit und plötzlich fährt jemand mit einem HAE Neckwarmer an mir vorbei, finde ich das immer noch ziemlich geil.
Auch das hat uns stolz gemacht: Einer unserer absoluten Heroes Frederik Kalbermatten mit unsere Produkten zu sehen.
Mat: Mir ist kürzlich etwas Lustiges passiert.
Ich hatte eine HAE Mütze auf, die wir gerade entwickelten. Einen Prototyp, der erst viel später in den Verkauf kommen sollte.
Da hat mich jemand angesprochen und gesagt: «Hey, was ist denn das für eine coole HAE Mütze? Ich kaufe schon seit Jahren die Sachen von HAE, aber die habe ich noch nie gesehen.»
Ich war zuerst etwas überrascht und habe dann überhaupt erst gemerkt, dass ich einen Prototypen trage und es dann auch so erklärt.
Er wollte natürlich wissen, woher ich den habe.
Also habe ich ihm gesagt, dass ich die Mützen selber mache. (lacht)
Sebi: Was mich auch besonders freut, sind die Geschichten von Leuten, die unsere Produkte seit Jahren tragen.
Mat: Ja, gerade letzte Woche hat uns wieder jemand geschrieben, der seine HAE Mütze seit fünfzehn Jahren jeden Winter trägt.
Manche schicken uns Fotos von uralten Modellen und fragen, ob wir genau diese Mütze nochmals haben.
Die gibt es dann meistens schon lange nicht mehr. Aber es freut uns einfach mega, wenn jemand lange Freude an einem Produkt von uns hat.
Sebi: Aber dass jemand eine Mütze fünfzehn Jahre lang trägt und danach wieder bei uns anfragt, ist eigentlich das grösste Kompliment.
Da merkt man, dass diese Sachen für die Leute mehr sind als einfach irgendeine Mütze. Auch wenn sie noch dazu schreiben, dass sie viele Sachen mit der Mütze erlebt haben und sie verloren haben oder nochmals genau so eine haben möchten
Und was würdet ihr gerne sehen, wenn wir uns 2046 nochmals für dieses Interview hinsetzen?
Mat: Scheisse, dann sind wir pensioniert, oder? (lacht)
Sebi: Hoffentlich frühpensioniert zumindest!
Und hoffentlich stehen wir dann immer noch mit den gleichen Kollegen oben im Rothwald.
Mat: Das wäre eigentlich ziemlich geil. Frischer Powder, gute Freunde, ein paar schöne Turns.
Sebi: Und hoffentlich immer noch eine gute Mütze auf dem Kopf.
Das Whiteout Magazine hat damals eine Ausgabe gemacht, wo es um Brüder in der Snowboardszene ging. Wir haben uns als streitende Brüder dargestellt, die aber danach auch immer wieder zusammen lachen und ein Bier trinken.
Twenty Years in the Making.
HAE wurde 2006 gegründet. Was mit einer selbst gehäkelten Mütze für einen Snowboarder mit Dreadlocks begann, entwickelte sich zu einer eigenständigen Schweizer Marke für Beanies, Stirnbänder und Neckwarmer.
Unsere Wurzeln liegen im Wallis und in der Snowboardkultur der Schweizer Alpen. In einer Zeit, in der wir mit Freunden durch Europa reisten, Contests fuhren, Backcountry-Kicker bauten und unsere eigenen Ideen umsetzten.
Snowboarding, Freestyle und Freeride haben HAE von Anfang an geprägt. Nicht nur als Sportarten, Sport war Snowboarden für uns eigentlich nie, sondern als eine Art, an Dinge heranzugehen. Etwas ausprobieren. Selber machen. Scheitern. Nochmals versuchen. Und sich auf die Menschen verlassen können, mit denen man unterwegs ist.
Diese Haltung hat uns durch die letzten zwanzig Jahre begleitet. Von den ersten handgehäkelten Mützen über unsere eigene Werkstatt in Visp bis zu den heutigen Kollektionen, die wir gemeinsam mit unseren Freunden, Teamridern und Produktionspartnern in der Schweiz und Europa entwickeln.
Heute ist unsere Welt breiter geworden. Neben Snowboarding und Freeride gehören auch Skitouren, Klettern, Bergsteigen und das Leben in den Alpen dazu. Wir wollen nicht nur Mützen verkaufen. Wir wollen dieses Gefühl, dass man nur in den Alpen hat an die Leute bringen. Dieses Gefühl für Abenteuer in den Bergen. Unsere Produkte sollen dich dabei begleiten und eines Tages hast du vielleicht eine Lieblingsmütze, die dich an sehr viele Abenteuer erinnert, an schöne Momente da draussen.
Wenn wir auf die letzten zwanzig Jahre zurückschauen, denken wir natürlich an all die Mützen, Kollektionen, Events und Projekte, die wir gemacht haben.
Aber am stärksten erinnern wir uns an die Menschen und die Tage, die wir gemeinsam erlebt haben.
An die Snowboardtrips, die nicht immer nach Plan liefen. An Freunde, die mit angepackt haben. An stundenlanges Ausprobieren, an ziemlich schlechte Ideen und an das Gefühl, irgendwo in den Bergen plötzlich eine unserer Mützen zu entdecken.
HAE wäre ohne all diese Menschen nie das geworden, was es heute ist.
Und vielleicht ist genau das der schönste Teil an diesen zwanzig Jahren.
Dass wir immer noch mit Leuten unterwegs sind, mit denen damals alles angefangen hat. Dass wir immer noch Ideen ausprobieren. Und dass wir immer noch lieber draussen sind, als lange darüber zu reden.
Für unser 20-jähriges Jubiläum holen wir deshalb auch ein paar alte Designs und unser ursprüngliches hä? Logo zurück. Eine kleine Hommage an die Anfänge von HAE, an unsere Snowboardwurzeln und an die Menschen, die uns über all die Jahre begleitet haben.
Nicht, weil früher alles besser war.
Sondern weil uns vieles von damals bis heute begleitet.
Danke an alle, die in diesen zwanzig Jahren Teil davon waren.
Auf die nächsten Powdertage, die nächsten schlechten aber auch guten Ideen und hoffentlich noch ziemlich viele gemeinsame Abenteuer.
THE BEST DAYS ARE HANDMADE.
Mat & Sebi