Martina Windlin steht für das, was unser HAE Team ausmacht: Mut, Neugier, Zusammenhalt und der Wille, an Herausforderungen zu wachsen. Im Interview spricht sie über einen Street-Trip, der sie mental an Grenzen gebracht hat – und warum genau dieser Mix aus Support, Geduld und Team-Spirit so viel auslösen kann. Es geht um Abenteuer als bewussten Schritt aus der Comfort-Zone, um Flow-Momente auf dem Brett und in kreativen Projekten, und um eine Haltung, die andere stärkt: dranbleiben, einander pushen, freundlich sein.
Welcher Moment in deinem Leben – sportlich oder kreativ – hat dich besonders geprägt? Was kommt dir spontan in den Sinn?
Spontan kommt mir der zweite Street-Trip mit RAD in den Sinn. Jeder Spot war für mich sehr herausfordernd, und ich bin mehrmals an meine mentalen Grenzen gekommen. Ich erinnere mich an ein Rail, das ich vermutlich ca. 20-30 Mal probiert habe. Aber die Jungs von RAD waren wie immer super unterstützend, motivierend und geduldig. Dieser Team-Spirit hilft einem enorm, über sich hinauszuwachsen. So ein Trip stärkt auch das Selbstvertrauen. Es gibt nichts Befreienderes, als seine Zweifel kurz zur Seite zu stellen, sich zu überwinden und den Trick irgendwann endlich zu landen.

photo: Kuno Egli
Was bedeutet Abenteuer für dich, und wie beeinflusst es deine kreative Seite?
Abenteuer heisst für mich, die Comfort-Zone zu verlassen und etwas zu tun, das man vorher noch nie gemacht hat. Das kann beim Snowboarden ein Spot sein, der mir Respekt einflösst, ein spontaner Roadtrip oder irgendein neues Hobby, das ich ausprobiere. Jedes Mal, wenn ich mich auf etwas Neues einlasse, öffnet das auch mental neue Türen.
Wie fühlst du dich, wenn du auf deinem Board stehst, sei es im Schnee oder auf dem Wasser? Gibt es kreative Parallelen zu diesen Momenten?
Für mich bedeutet Snowboarden pure Freiheit. Es gibt nichts Schöneres, als am Schluss vom Tag mit Freunden und einem guten Song im Ohr die Piste runterzucruisen. Mein Herz füllt sich dann richtig mit Glück, und alles andere wird ruhig. Man vergisst Zeit und Raum.
Diesen Flow-State erreiche ich manchmal auch bei kreativen Projekten, zum Beispiel wenn ich an einer Website rumbastle und aus einem „ich probiere kurz was“ plötzlich drei Stunden werden. Es ist das gleiche Gefühl von Fokus und Leichtigkeit.

photo: Kuno Egli
Woher schöpfst du deine kreative Inspiration – ob auf dem Berg oder im Alltag?
Ich bin selten „von innen“ inspiriert, sondern hole mir meine Inspiration meistens von anderen Menschen. Von Freundinnen und Freunden oder von Videoparts, die ich anschaue. Man sieht etwas, das einen packt, und denkt: „Okay, das will ich auf meine eigene Art probieren.“ Oft reicht ein kleiner Moment: ein Trick, ein Style, ein Gespräch, ein Detail…

photo: Shannon Sweeney
Wie spiegelt sich deine Persönlichkeit in deinem Stil auf und neben dem Brett sowie in deiner Kreativität wider?
Ich bin definitiv ehrgeizig und ein bisschen ungeduldig. Nicht unbedingt die ideale Kombo für kreative Prozesse. Ich muss manchmal bewusst einen Schritt zurückmachen und mir sagen: „Es ist ein Lernprozess. Und es wird meistens eh nie perfekt.“ Das gilt für kreative Projekte genauso wie fürs Snowboarden. Aber genau das macht’s auch schön: Man wächst über sich hinaus, sportlich und kreativ, und hat Freude daran.
Gibt es Projekte außerhalb des Snowboardens, bei denen du deine Kreativität besonders zum Ausdruck bringst?
Mein Job ist sehr kreativ. Ich arbeite im Marketing und habe viele Freiheiten. Manchmal kommt mir beim Snowboarden eine Idee für ein Projekt in den Sinn, und umgekehrt sitze ich ab und zu im Büro und träume vom Snowboarden. Das tun wir doch alle ;-)

photo: Willi Arnold
Was macht dich besonders stolz auf das, was du erreicht hast – sportlich und/oder kreativ?
Durch das Snowboarden habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt. Ich sitze manchmal mit meinen Freundinnen und Freunden auf dem Berg, schaue links und rechts und realisiere, wie wertvoll diese Freundschaften sind. Darauf bin ich definitiv stolz und extrem dankbar. Es ist nicht nur der Sport, sondern die ganze Community, die mein Leben bereichert.
Wie inspirierst du andere Menschen (alle, nicht nur Frauen), ihren eigenen Weg zu gehen – sei es beim Snowboarden, durch kreative Projekte oder einfach im Alltag?
Für mich geht es viel um positives Encouragement. Und das beginnt im Kleinen. Manchmal sieht man, dass jemand im Park einen Trick lange probiert und dann schafft. Ich merke mir den Trick, und sage später z.B. beim Anstehen am Lift „Hey mega stylisher Boardslide vorhin.“ Und dann sieht man direkt, wie die Augen leuchten. Wir alle haben Unsicherheiten, und solche Komplimente geben unglaublich viel Kraft und motivieren, weiter zu pushen.
Kurz gesagt: Be kind.

photo: Kuno Egli